Wie ist es um die mentale Gesundheit unserer Gesellschaft bestellt? Diese Frage stelle ich mir seit vielen Jahren, nicht zuletzt nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Pressemanagerin für eine psychosomatische Klinikgruppe mit vier Häusern in Deutschland.

Ich habe sehr viele Menschen meiner Generation – der Generation der Kriegsenkel – getroffen, die sich selbst als sehr selbstunsicher und Angst besetzt bezeichnen. Viele sind in Süchten gefangen, haben Schwierigkeiten, erfüllte und langjährige Partnerschaften zu führen, fühlen sich mehr und mehr einsam, innerlich leer und können zu keinem entspannten Lebensgefühl finden. Sie leiden enorm unter ihrer Selbstunsicherheit. Männer, die innerlich kleine Jungs geblieben sind, agieren häufig als narzisstisch geprägte Persönlichkeiten und Frauen, die innerlich kleine Mädchen geblieben sind, fügen sich in Familien- oder Lebensentwürfe, die nicht ihre eigenen sind. Häufig verharren sie in toxischen Beziehungen weil sie nicht die Kraft finden, sich ein neues und endlich ihr eigenes Leben aufzubauen. Beide – Männer und Frauen – leben häufig in einem ‚überleben‘ und nicht in einem erfüllten ‚leben‘ Modus. Über all diese Dinge offen und ehrlich zu sprechen, ist in unserer Gesellschaft auch im Jahr 2019 häufig mit einem Stigma besetzt. Dies möchte ich gerne ändern.